Calciumräuber gefährden die Knochen
Die Deutschen essen zu wenig Calcium. Statt dessen bevorzugen sie Lebensmittel, die der Calciumaufnahme zusätzlich schaden. Solche „Calciumräuber“ machen Calcium aus der Nahrung unbrauchbar für den Knochenaufbau – und leisten so der Entwicklung von Knochenschwund Vorschub.
Knochen brauchen lebenslang ausreichend Calcium, um gesund und stabil zu
bleiben. Als Richtschnur gelten mindestens 1200 bis 1500 mg Calcium täglich,
die ein Erwachsener aufnehmen sollte. Das schaffen die Wenigsten, denn in
Deutschland stagniert die Calciumaufnahme seit Jahren bei durchschnittlich
815 mg. Die schlechte Versorgung ist aber nicht das einzige Problem: Moderne
Ernährungsgewohnheiten leisten Calciumräubern in der Nahrung zusätzlich
Vorschub.
Calciumräuber werden solche Nahrungsbestandteile genannt, die Calcium chemisch
binden - und so für den Knochenaufbau unbrauchbar machen. Ein bedeutender
Calciumräuber ist Phosphor, der eigentlich selbst ein wichtiger
Knochenbaustein ist. In unserer Ernährung kommt es aber meist viel zu
reichlich vor. Vor allem der Verzehr phosphatreicher Lebensmittel wie Fleisch,
Wurst oder Fertiggerichte, denen oft Phosphorsäure zugesetzt wird, bringen das
gesunde Gleichgewicht zwischen Calcium und Phosphor aus der Balance und die
Knochen in Bedrängnis.
Ausgewogenes Verhältnis anstreben
Aus Knochensicht enthält ein ideales Lebensmittel viel Calcium, aber wenig Phosphor, das Verhältnis sollte höchstens 1:1 sein. Das schafft zum Beispiel Naturjoghurt mit 120 mg Calcium bei nur 100 mg Phosphor. Fleisch, Wurst, Fertigprodukte oder Schmelzkäse sind dagegen Beispiele für Lebensmittel, die für den Calciumhaushalt eher nachteilig sind. Wer mittags eine Portion Pommes mit Bratwurst, etwas Majonaise und eine Dose Cola verzehrt, nimmt Calcium und Phosphor im Verhältnis 1:10 auf. Dieses ungünstige Verhältnis wieder auszugleichen wird schwer, denn die Mahlzeit deckt zwar nur etwa 5 % des täglichen Calciumbedarfs, aber mehr als 60 % der benötigten Kalorien ab. Bei diesem Essverhalten bleibt wenig Spielraum für calciumreiche Nahrungsmittel.
Beispiel:
| Calcium (mg) |
Phosphat (mg) |
Kalorien (kcal) |
|
|---|---|---|---|
| Portion Pommes (200g) | 40 | 210 | 580 |
| Bratwurst (Frankfurter) | 8 | 107 | 269 |
| Klecks Majo | 0 | 24 | 299 |
| Dose Cola (330ml) | 0 | ca. 115 * | ca. 145 |
| Gesamt | 48 | 456 | 1293 |
| Tagesbedaf (nach DACH-Referenzwerten): | 4,8 % | 65 % | ca. 62 % |
* je nach Produkt. Gesetzlich erlaubt sind bis zu 230mg.
Versteckte Calciumräuber entlarven
Auch „gesundes Essen“ kann in Bezug auf die Calciumversorgung Fallstricke bereithalten: Linsen haben einen sehr hohen Phosphoranteil. Auch die meisten Nussarten haben ein ausgesprochen ungünstiges Verhältnis von Calcium zu Phosphor. Und selbst bei den Milchprodukten ist man nicht automatisch auf der sicheren Seite: Quark enthält etwa doppelt soviel Phosphor wie Calcium und trägt nicht zu einer ausgewogenen Bilanz bei. Müsli aus frisch geschrotetem Getreide kann größere Mengen des pflanzlichen Calciumräubers Phytin enthalten. Und gesunder Blattspinat nimmt mit seinem hohen Gehalt an Oxalsäure den Knochen das Calcium weg, genau wie Kakao oder Rhabarber. Auf alle Calciumräuber zu verzichten ist also selbst bei gesunder Ernährung fast unmöglich. Außerdem wissen die Wenigsten, in welchen Lebensmitteln sich die Calciumräuber verstecken.
Calciumbilanz ausgleichen
Um die Calciumbilanz zuverlässig auszugleichen, hilft nur, die Calciumaufnahme
zu steigern: z. B. mit calciumreichen Lebensmitteln wie Milch und Schnittkäse.
Auch bestimmte Gemüsesorten enthalten viel Calcium, z. B. Grünkohl. Wer auch
ohne den täglichen Blick in die Nährwerttabelle sicher sein will, seinen
Tagesbedarf zu decken, sollte über eine gezielte Ergänzung der Ernährung mit
Calciumpräparaten nachdenken. Sinnvolle zusammengesetzte Produkte aus der
Apotheke enthalten zusätzlich Vitamin D, das die Aufnahme des Calciums
fördert.
Damit die tägliche Calciumergänzung auch auf Dauer nicht lästig wird, gibt es
Calcium heute in vielen leckeren Darreichungsformen, z. B. als schokoladige
Kautablette oder erfrischende Brausetablette (z.B. Caltrate 600+D).